Mit dem E-Bike durch die Alpen – von Salzburg bis zur Adria | WDR Reisen

Mit dem E-Bike durch die Alpen – von Salzburg bis zur Adria  | WDR Reisen



Untertitel: WDR mediagroup GmbH
im Auftrag des WDR Das wird ne tolle Tour. Wir sind eine Woche auf dem
Alpe Adria Radweg unterwegs. Es wird anstrengend.
Es wird aufregend. Es wird abwechslungsreich. Tut dir der Arsch weh, ja oder nein?
– Nein, alles gut. Aber kein Stress,
wir sind mit dem E-Bike unterwegs. Und lassen keine Gelegenheit aus, die Tour in vollen Zügen
zu genießen. Sensationell. Ich kann einfach
auf den Turbo drücken, und schon bin ich schneller da. Wir freuen uns auf die Magie
der Berge, die klaren Kärntner Seen
und das Dolce Vita in Italien. Es klingt kitschig, aber: Ich bin
total verliebt in diese Tour. * Musik * Und weil Radfahren zu zweit
viel mehr Spaß macht als allein, ist Rupert dabei, der kennt sich aus
im Salzburger Land. Wir fahren die Alpe Adria.
– Bis nach Grado. Ich bin dabei
bis Salzburg-Kärnten-Grenze. In Kärnten kommt ein Neuer dazu. Super, welche Richtung?
– Wir fahren
stromaufwärts die Salzach entlang. Und dann ins Gasteinertal.
– Mit dem E-Bike. Es geht los. Ich hab noch nicht eingeschaltet.
– Ich bin schon auf Eco. Ach, die Ösis. Startpunkt des Alpe Adria Radweges
ist Salzburg. Von dort fahren wir nach Werfenweng
und weiter nach Bad Gastein. In Kärnten machen wir einen
Abstecher an den Millstätter See. Unsere 1. Stadt in Italien
ist Travis. Wenn wir hoffentlich gesund
und voller Eindrücke über Udine in Grado ankommen,
haben wir 410 km und mehr als 2.400 Höhenmeter
in den Oberschenkeln. Aber zurück zu unserem Startpunkt:
Salzburg. Eindrucksvoller
könnte eine Tour nicht starten. In Salzburgs Altstadt stößt man an
jeder Ecke auf ein barockes Gebäude, einen Platz oder eine Kirche. Genau deswegen wird Salzburg
auch das "Rom des Nordens" genannt. Das heutige Gesicht
erhielt die Stadt im 17. und 18. Jh. durch den Reichtum
der damaligen Fürstbischöfe. Ich bin begeistert von der kompakten
Barockschönheit dieser Stadt. An Mozart, dem berühmtesten Sohn der
Stadt, komme ich auch nicht vorbei. Er ist auch Namensgeber
für eine weitere Berühmtheit. Das ist dieses Café Fürst, ne?
– Ja, jetzt sind wir da. Mozartkugeln in Salzburg
ist schon ein Klischee? Na ja, Klischee.
Es gibt sie tatsächlich. Ich würde empfehlen,
dass du mal reinschaust. Das mache ich auch.
Klischee hin oder her. Ich liebe diesen Laden jetzt schon.
Guten Tag. Die originalen Mozartkugeln
aus Marzipan mit Pistazien, Nougat und dunkler Schokolade
wurden hier 1884 zum 1. Mal kreiert. Und seitdem das Rezept
nicht verändert. So, jetzt bin ich gespannt.
– Jetzt ist es so weit. Das ist die originale Mozartkugel?
– Ja, genau. Die originale,
handgemachte Mozartkugel. Was da drin alles steht, schon. Was die alles können
in dieser Konditorei. Ich frage mich, ob dieser Konditormeister
noch erwachsene Menschen adoptiert. Ich hab gehört,
sie suchen Vorkoster. Das wäre was für dich.
– Das wäre toll. Grandios. Label "Wunderschön". Das hier ist die wahrscheinlich
größte Mozartkugel der Welt. Ich finde:
Diese moderne Skulptur als Kontrast zu dem Barocken Ambiente
ist sehr gelungen. Mit Blick
auf die Festung Hohensalzburg verlassen wir die Stadt. * Musik * Die Berge.
– Jetzt gehts raus aus der Stadt. Wie oft kommst du hier hoch?
– Ich bin sehr oft da. Weil da gehen unsere Radtouren,
die wir durchführen, vorbei. Wir sind fast täglich hier oben. Das ist das Highlight. Wenn man aus der Stadt rauskommt,
über den Berg rüber, dann sieht man die Berge, mit den
Cumuluswolken ist das spektakulär. Unsere heutige Etappe
führt von Salzburg nach Hallein. Anschließend geht es
durch das Tennengebirge Richtung Werfen. Für unser Tagesziel Werfenweng
müssen wir ordentlich strampeln. Insgesamt 55 km. Rupert bietet Fahrradtouren
in und um Salzburg an. Er kennt so manchen Geheimtipp,
z.B. den Almkanal. Früher versorgte
das frische Alpenwasser Salzburg mit Trinkwasser. Das Schild ist auch cool:
"Achtung Surfer". Nicht schlecht. Und ich staune nicht schlecht. Surfer in Österreich,
auf der perfekten Welle. Sie macht das super.
– Sie machts gut. Fluss-Surfen heißt der neue Trend. Das natürliche Gefälle des Almkanals
und eine eingebaute Schwelle produzieren diese Dauer-Welle. Bei ihm müssen Sie aufpassen. Luki heißt der, ist hier der Star. Der schafft es auf dem Brett, sich während des Surfens
die Haare zu richten. Da. Jetzt müssen wir aber
endlich mal Strecke machen. Für meinen Begleiter Rupert und mich
ist das das 1. Mal auf dem E-Bike. Hast du schon die optimale
Ausnutzgeschwindigkeit entdeckt? So mit 25 km/h sind wir
optimale Unterstützung. Gute Reisegeschwindigkeit. 25 km/h hat echt was.
– V.a. es ist nicht anstrengend. Du machst du im Endeffekt in der
Stunde 25 km, das ist super. Ich sag Ihnen was, mit den E-Bikes
ist es ein ganz neues Radfahrgefühl. Weniger Anstrengung, mehr Genuss. Wenn das mit den Überraschungen
am Radweg so weitergeht, kommen wir aber nie an. Am Stadtrand von Salzburg fahren
wir an Schloss Hellbrunn vorbei. Da sind dann die Wasserspiele.
Kennst du die Wasserspiele?
– Nein. Hinter dem Schloss
sind Trick Fountains, wo z.B. aus Sesseln
das Wasser herausspritzt. Da geht man über Stiege runter, und
aus der Stiege kommt Wasser raus. Gerade an so einem sonnigen Tag
wie heute ist das super. Schloss Hellbrunn
wurde im frühen 17. Jh. als Sommerresidenz für
Salzburgs Fürsterzbischöfe erbaut. Das Lustschloss und die Wasserspiele sollten ein Ort des Vergnügens
und der Erheiterung sein. Seit mehr als 400 Jahren sprudeln die Brunnen
und Fontänen unverändert. Der Radweg ist eben,
wir 2 sind im Eco-Modus unterwegs, d.h. mit wenig
elektrischer Unterstützung. So hält der Akku am längsten. Diese Strecke wäre auch mit einem
normalen Tourenbike kein Problem. Den Alpe Adria Radweg
gibts in dieser Form seit 2012. Für das länderübergreifende Projekt wurden bestehende Radwege
miteinander verbunden, einige Teilabschnitte
neu erschlossen. Unsere 1. Etappe
ist Teil des Tauernradwegs. Immer an der Salzach entlang. Bei der guten Beschilderung kann man
sich eigentlich gar nicht verfahren. Unser Weg führt uns
direkt nach Hallein. Auf den 1. Blick ein ganz
hübsches Städtchen. Die Bürgerhäuser aus dem 13. Jh.
stehen allesamt unter Denkmalschutz. Windschief wie sie sind, erzählen
sie von einer bewegten Geschichte. Hallein ist für das Salz
auch berühmt, ne? Deswegen ist die Stadt entstanden. Im Berg ist das Salzbergwerk, da
haben sie lange das Salz rausgeholt. Jetzt nicht mehr,
jetzt ist es ein Schaubergwerk. Rupert erzählt mir, dass das Salz aus dem Bergwerk
über Jahrhunderte hinweg die Grundlage für den Reichtum
der Salzburger Erzbischöfe schuf. Mit den hohen Gewinnen
aus dem Salzhandel ließen sie die prunkvollen
Barockbauten errichten. Das "weiße Gold"
wurde in Hallein abgebaut und über die Salzach
nach Salzburg gebracht. Heute ist es das älteste
Schaubergwerk der Welt. Besucher können seit mehr als 450
Jahren in den Halleiner Salzberg einfahren und die Welt
von unter Tage bestaunen. Die Geschichte dieses Städtchens ist
also untrennbar mit Salz verbunden. Deswegen kommt hier das 1. Geschenk
in den Wunderschön-Rucksack. Ein edles Kräutersalz
aus dem Halleiner Bergwerk. Den Rucksack können Sie
wie immer gewinnen, wenn Sie sich merken, was alles
reinkommt im Laufe unserer Reise. Rupert und ich radeln gemütlich
weiter durch den Tennengau. Kilometerlang. * Musik * Bilderbuchidylle. Ich bin gespannt,
was das Wetter macht. Ein paar Gewitterwolken
stehen schon da hinten. Das ist mir völlig egal. Bist ein Harter.
– Wir fahren einfach weiter. Weniger idyllisch
sind die nächsten Kilometer. Im engen Tal des Tennengebirges gibt es keinen Platz
für einen Extra-Radweg. Kurz vor dem Ort Werfen, taucht
plötzlich, wie aus dem Nichts, diese gewaltige Festung auf. * Musik * Unsere 1. Nacht wollen wir in
einem richtigen Bergdorf verbringen. Deswegen verlassen wir hinter Werfen
den Alpe Adria Radweg und machen einen Abstecher
rauf nach Werfenweng. Das bedeutet allerdings:
377 Höhenmeter extra für uns. Dafür müssen wir doch mal in den
Turbogang unserer E-Bikes schalten. * Röhren * * Röhren * Aus dem Wald kommen
höchst sonderbare Geräusche. (röhrt) Das war mir klar,
dass das kein Hirsch ist. Warum? Kennst du das?
– Du hast das doch gewusst. Das ist doch Hirschröhrerei. Fritz Hochleitner
ist Jäger in der Region, und mit diesen seltsamen Rufen
lockt er Hirsche bei der Jagd an. Die grundsätzliche Frage, Fritz:
Warum? Warum man röhrt?
– Warum? Der Sinn und Zweck
vom Hirschruf ist nur, dass ich mich dem Hirsch
annähern kann. Der ist vollgepumpt mit Adrenalin. Der sucht oder findet in dem… …Gesagten nur den Rivalen. Das ist der ganze Zweck
vom Hirschruf. (Rupert) Du kannst es mal
probieren, Marco. Kann da jeder
seine Lippen dranhalten? Worauf muss ich denn achten? Ich krieg wahrscheinlich
keinen einzigen Ton raus. Zuerst ziehen Sie zumindest mal
die Luft in die Lunge. Lunge mal voll aufblasen. (röhrt) Da rennt er davon,
da rennt er davon. Wir sind uns einig: Damit kann ich wohl keinen Hirsch
aus der Reserve locken. Jetzt gehts los. Wir haben es noch erwartet,
das Gewitter.
– Ja. Bis jetzt war es der lustigste Teil. Es ist noch gnädig zu uns. Das schafft jeder.
– Ja, das ist machbar. Jeder Radfahrer muss nicht
so schnell fahren wie wir. Wir fahren im 23er-Schnitt
Berg hoch, gegen Wind. Nach Werfenweng. * Musik * Das Gepäck wird übrigens während
der ganzen Tour ins Hotel gebracht. Es gibt dafür mehrere Anbieter,
die, wenn man möchte, auch die Unterkünfte
auf der gesamten Strecke buchen. * Musik * Wir sind da. Ein heißes Bad und ein Bett haben
wir uns für heute Nacht verdient. * Musik * So, Marco, bist du fit für heute? Ich bin total fit,
wie gehts dir denn? Mir gehts super.
– Schön geschlafen. Top, oder?
– Wie ein kleines Kind. Wir fahren nicht gleich runter,
sondern ich zeig dir die Berge. Schön. So, auf gehts.
– Viel Spaß. Die Fahrrad-Akkus haben wir
über Nacht im Hotel aufgeladen. Das ist auch gut so, denn zu Ruperts Überraschungsziel
gehts mächtig bergauf. Um mal so einen kleinen Eindruck
zu vermitteln. Es geht schon ziemlich lange
relativ steil nach oben. Man fährt völlig entspannt
nach oben, weil man ne gute Unterstützung
durch den Motor hat vom E-Bike. Ich bin vom Turbo weg auf Sport, dass man so ein bisschen
Kontrolle hat. Ansonsten macht der so Rrrrrr. Jetzt gehts über die Alpen. Rupert hat schon die halbe Welt
mit dem Fahrrad bereist. Ohne mich würde er so eine Strecke
niemals mit dem E-Bike fahren. Und ich würde ohne E-Bike
niemals oben ankommen. So, jetzt haben wir es geschafft. Das ist die Überraschung. Eine der vielen Überraschungen
am heutigen Tag. Ganz oben, eine Berghütte
mit 360°-Rundumblick auf die Alpen. Man sieht quasi einmal
halb Österreich.
– Hallo. Da siehst du wirklich weit. Bis zum Hochkönig gegenüber,
Großglockner da hinten. Hinter uns Tennengebirge. Das ist der Großglockner?
– Da hinten ist der Großglockner. * Musik * Top-Location
für ein spätes Frühstück. Rupert hat übrigens längst
rausbekommen, dass ich für leckere Süßspeisen
überall hin radeln würde. Hier soll es einen sensationell
guten Kaiserschmarrn geben. Den Kaiserschmarrn von Hüttenwirt
Alexander Reitinger. Ich werd jetzt heute für euch
den Kaiserschmarrn machen. Zuerst trennen wir einmal die Eier. Dann wird Mehl
unter die Milch gerührt. Quirlt die Eier dazu. Eischnee ist immer gut,
wenn ihr die Maschine hoch macht und da bleibt was drinnen. Das ist perfekt aufgeschlagen. Jetzt kommt die Masse zu dem
Eischnee und wird gut verrührt. Einfach da rein. Teilt es ein bisschen auf. Paar Rosinen oben drüber. Schauen wir nach,
wie es unserem Kaiserschmarrn geht. Mittlerweile
schaut er gut aus. Kristallzucker, ordentlich.
Schön drüber. Karamellisieren. Er bleibt innen schön fluffig,
außen wird er knusprig. Rum ablöschen. Essensbereit. Richtig feinen Staubzucker drüber. Einen frischen Zwetschgenröster. So. So, einmal den Kaiserschmarrn.
(Rupert) Super. Super.
– Mahlzeit. Der sieht geil aus, super bestellt.
Wo ist deiner? Wir teilen uns, du unterstützt
auch mit dem E-Bike. Den Ganzen hast du nur verdient,
wenn du den Motor ausschaltest. Du hast ja Recht. Besteck ist hier, eigentlich.
– Ach so, ja, stimmt. Ich völlig aufgeregt. Bei mir musst du hin machen,
sonst hast du verloren. Der ist extrem flockig. Sensationell. Mit Kaiserschmarrn-vollen-Bäuchen
rollen wir runter, zurück nach Werfenweng. Ein Paraglider. Da war schon in der Früh,
wie ich noch im Schwimmbad war, sind schon 2 runtergekommen. Sehr cool. Rupert erzählt mir, dass Werfenweng
noch vor ein paar Jahren ein verschlafenes Nest war. Klein ist es immer noch,
aber inzwischen ziemlich modern. Hier setzt man auf sanfte Mobilität
und nachhaltigen Tourismus. Nicht nur die kleinen Urlaubsgäste können sich umweltfreundliche
Fahrzeuge ausleihen. "Schneller langsam werden"
heißt das Motto hier. Gefällt mir. Und für den Rucksack
gibt es von hier auch noch was. Das passt optimal. "Duschen, Baden wie in Werfenweg". Von den Kühen in Werfenweng,
Buttermilch-Seife. Kommt in den Rucksack. Unser nächstes Geschenk für Sie. Weiter gehts
auf dem Alpe Adria Radweg von Werfenweng
nach Sankt Johann im Pongau. Von dort radeln wir
durch das Gasteiner Tal. Am Ende wartet der heftigste
Aufstieg der gesamten Tour. Unser Tagesziel ist Bad Gastein. Gut 60 km und 776 Höhenmeter
liegen vor uns. Wie geht es deinem Arsch?
– Joa, gut. Sattel sind bequem, kein Problem. Die Etappe war nicht allzu lang. Die vornehme Frage wäre gewesen,
was macht der Po? Fragt doch keiner. Tut dir der Arsch weh? Ja oder Nein?
– Nein, alles gut. So ein bisschen Bein und Waden
hatte ich schon. Aber die Knie taten nicht so weh. Du hast ja deinen Motor
immer nur auf Eco gehabt. Ich hatte ihn fast nur aus. * Musik * * Knallen * Das ist also der Grund
für den Lärm. Jetzt wissen wir das auch.
– Das Tor steht offen. Schauen wir rein, oder?
– Ist ein Zeichen, ja. Hallo, ich heiße Marco.
– Grüß dich, bin der Hans. Was macht denn ihr da? Wir proben a bisserl das Schnalzen. Bald ist das Preisschnalzen
und da müssen wir üben. Natürlich wollen wir wissen,
wie es zu dem lauten Knall kommt. Vorne ist der Schmitz, heißt das. Des ist schneller wie der Schall. Dadurch, durch die Schlinge,
und des macht den Schnalzer. Des ist schneller wie der Schall. Das hast du jetzt 2-mal gesagt, dass
das schneller ist als der Schall. (Rupert)
Durchbricht die Schallmauer. Richtig.
– Das ist echt irre. Dieses Peitschenschwingen heißt
"Schnalzen" und wird in der Region v.a. bei Hochzeiten
und Brauchtumsfesten gemacht. Eigentlich schnalzen die Männer
auf Pferden, heute wird nur geprobt. Bevor ich schnalze würde ich
nur mal Schwingen versuchen. Magst du mir zeigen, wie das geht? Probier mal so.
Dann probierst du so zurück. Wenn man nicht aufpasst, klatscht
man sich schnell selbst einen. Einen Ton kriegen wir raus, Marco. Jetzt, Marco, jetzt kommt er. * Schnalz * Mit Ansage. (jubelt) Das hat geklappt, super. Beschwingt von dem überraschenden
Erfolgserlebnis kommen wir ins Gasteiner Tal. Insgesamt ist es 40 km lang. Bis ins 20. Jh. war es nur über Bergwege und
eine schmale Straße zu erreichen. Rupert erzählt mir,
dass er oft im Winter hier herkommt, weil es hervorragende
Pisten zum Skifahren gibt. Ich finde es hier im Sommer
auch super. Herrliche Natur, eingerahmt von den Gipfeln
des Nationalparks Hohe Tauern. * Musik * Noch rollen wir gemütlich
an der Gasteiner Ache entlang, aber wir ahnen schon,
was uns bevorsteht. Ein heftiger Aufstieg
zu unserem Etappenziel Bad Gastein. Nein, es ist nicht die Kamera,
die schief ist. Es sind 18% Steigung. Ich will nie wieder
ein normales Rad fahren. Nie wieder. Der Schnee. Da ist er wieder, der Moment, wo
ich mein E-Bike über alles liebe. Der Anstieg
frisst natürlich mächtig Akku, deswegen muss man sich
die Motorunterstützung über den Tag auch gut einteilen. Auch das ist kein Problem,
oder Marco?
– Nee. Alles super. Machst den kleinsten Gang rein und
den Turbo, und schon bist du oben. Bad Gastein wird auch
das "Monte Carlo der Alpen" genannt, wegen der vielen Häuser im Stil der
Belle Époque vom Ende des 19. Jh. Historische Kuranlagen und Hotels
aus vergangenen Zeiten prägen das Ortsbild. Also Bad Gastein,
eigentlich ganz schön. Aber eben auch nur eigentlich,
muss ich an dieser Stelle sagen. Denn diese ganzen alten,
mondänen Häuser, die hier stehen, sind zum größten
Teil überhaupt nicht bewohnt. Also diese Badschlösser,
Hotels, Residenzen, keiner da. Steht sehr vieles zum Verkauf,
macht mich ein bisschen traurig. Bad Gastein ist der wohl
schillerndste Fremdenverkehrsort in Österreich. Einst Kurort für gekrönte Häupter,
dann beliebt beim Jetset für den Wintersport,
und heute immer mehr verfallen. Aber es tut sich was. Alte Gebäude wie das Kraftwerk
werden zu neuem Leben erweckt. Einige schicke Cafés
und Designhotels stehen für den Neuanfang. Auch der Flying Fox,
eine Seilrutsche über das Tal, soll zu einem moderneren Image
beitragen. * Musik * Alter Verwalter. Gasteiner Wasserfall. Als unvergängliches Wahrzeichen rauscht der Wasserfall
mitten durch den Ort. Mit 47° sprudelt es aus
insgesamt 17 Quellen aus der Erde. Es sorgt für eine
Extraportion Gesundheit: gut bei Gelenk-
und Atemwegserkrankungen. So. Aussicht genießen.
– Ja, Marco. Oben, es geht easy mit diesem Bike.
– Super. Man muss
nur so ein bisschen schniefen. Reintreten muss man schon noch. Wir sind jetzt 2 Tage
unterwegs gewesen. Ich hab mir für unseren Abschluss
etwas Besonderes ausgedacht. Bin ich gespannt. Ich schenke dir diesen Blick.
– Ja, danke. Es hat sehr viel Spaß gemacht
mit dir zu radeln. Ich gebe dir auch noch
einen Tipp mit. Morgen in der Früh fahr rauf
auf den Stubnerkogel. Muss nicht mit dem Bike sein,
kannst auch die Gondel nehmen. Gibts da einen Kaiserschmarrn?
– Nein, aber super Ausblick. Und an mich denken, morgen.
– Mache ich. Vielen Dank für deine Begleitung.
– Gute Reise noch nach Grado. Ohne dich.
– Wird halb so lustig werden. Das stimmt, ciao. Rupert war ein toller Begleiter
im Salzburger Land. Bad Gastein mit seinen vielen
Facetten ist ein gutes Etappenziel. Ich freu mich schon
auf die Bergwelt morgen früh. * Musik * Der Stubnerkogel,
Bad Gasteins Hausberg, am Morgen. Wohin man auch blickt, rundum
ragen die Spitzen der Alpen hervor. Die Magie der Berge. * Musik * Die Gondel
bringt Wanderer nach oben. Viele starten von hier
ihre Tagestouren. * Musik * Der Stubnerkogel,
wir sind auf 2.300 m. Es ist, der Österreicher würde
sagen, relativ frisch hier oben. Das Wackeln, das ist nicht
unser Kameramann. Das Wackeln ist die Hängebrücke
über das Tal. Da wirds einem etwas warm. Muss ich noch was sagen? Das hier
ist die höchste Hängebrücke Europas. Dann gibt es hier oben
noch eine Aussichtsplattform. Sie heißt Glocknerblick und gibt die
Sicht frei auf den Alpenhauptkamm mit Österreichs höchstem Berg,
dem Großglockner. Man hat einen sensationellen
Ausblick hier oben. Wenn schönes Wetter ist,
sieht man die gesamte Bergkette. Es heißt sehr viel "Kogel"
hier oben. Ankogel z.B., Hüttenkogel. Ich hab einen Lieblingsberg,
der ist hier drüben. Das ist der Silberpfennig.
Klingt das nicht schön? Silberpfennig, 2.600 m hoch,
da vorn. * Musik * Wer sich hier oben keine Auszeit
gönnt, ist selber schuld. * Musik * Klar, wenn Sie mit dem Rad
unterwegs sind, dann wollen Sie wissen,
was schaffe ich gerade. Die Puls-Uhr erzählts Ihnen. Die packe ich für Sie
in den Rucksack. Die Bergwelt von Bad Gastein
hat mich tief beeindruckt. Mit ihrer kraftvollen Natur und
dem allgegenwärtigen Element Wasser. * Musik * Zurück aufs aufs Rad. Heute geht es von Bad Gastein
mit der Bahn durch den Tauerntunnel nach Mallnitz in Kärnten. Von dort fahren wir
durch das Mölltal. Dann immer an der Drau entlang
bis nach Spittal an der Drau. Unser Tagesziel:
der Millstätter See. Insgesamt rund 70 km. Das ist mit dem E-Bike
locker in 4 h zu schaffen. Und das Schöne:
Es geht meistens bergab. * Musik * Die Straße geht jetzt
nicht mehr lange so weiter. In Böckstein
ist nämlich erst mal Ende. Denn hier gibt es durch
die Bergkette der Hohen Tauern keine Straße,
sondern nur einen schmalen Tunnel. Durch den
dürfen nur Züge fahren. Also müssen hier auch
Autos verladen werden. Fahrräder
kosten übrigens nichts extra. Der Tauerntunnel verbindet das
Gasteinertal des Salzburger Landes mit dem Mölltal in Kärnten. Das ist also meine Alpenüberquerung,
von Böckstein nach Mallnitz. Mit dem Zug, durch die Alpen. Und in wenigen Augenblicken
wirds richtig duster. Alpenüberquerung. Nach 11 min Zugfahrt
treffe ich Anna, die wird mich
durch Kärnten begleiten. Hallo, da bist du. Hallo.
– Du musst Anna sein? Ja, genau, hi.
– Ich heiße Marco. Schön dich kennenzulernen. Bei euch ist es wolkig.
– Ja, leider. Aber wir fahren Richtung Süden,
es kann nur sonniger werden. Dann machen wir das.
– Ab gehts. Helm auf. Freust dich schon?
– Ich freue mich total. Ich freue mich, dass du strahlst.
– Ja, immer. Wenn man da wohnt,
kann man nur strahlen, oder? Na, sehr gut.
– Auffi. Anna ist gebürtige Kärntenerin. Nachdem sie viel in der
Weltgeschichte unterwegs war, ist sie zurückgekehrt. Sie fährt leidenschaftlich gern
Fahrrad, bis vor einigen Jahren
hat sie sogar im Verein trainiert. Und, wie läufts
mit der Schaltung bei dir? Das funktioniert gut. Schaltest du über die Gänge
oder tust du einfach Turbo? Nee, Turbo nehme ich nur
ganz selten. Ganz selten, wirklich?
Das möchte ich mal anschauen. Ganz selten. Hast du denn Turbo?
– Ich fahre gerade mit Eco. Du kennst ne Geheimstrecke hier, ne?
– Genau. Wir fahren vom Bahnhof
nicht über die Bundesstraße, weil neben der Straße
ist es nicht so schön. Wir nehmen das Dösental. Das was?
– Das Dösental. Das ist die ruhigere Strecke? Das ist die ruhigere Strecke und
auch von der Kulisse her schöner. Mein Geheimtipp. Kärnten liegt an der
sonnigen Südseite der Alpen und ist Österreichs
südlichstes Bundesland. Wie gehts?
– Es geht super. Ich merke schnell,
dass Anna sportlich unterwegs ist. Selbst mit E-Bike-Power
muss ich mich ranhalten. Anna ist unsicher, ob das der
richtige Weg durchs Dösental ist. Wir müssen unsere Wegekarte vom
Alpe Adria Radweg um Hilfe fragen. Genau, ja. Da sieht man es gut, schau. Dann kommen wir wieder runter.
– Super. Richtung Obervellach. Packen wir übrigens zum Schluss
auch in den Rucksack. Startklar?
– Ja. Ich hab mir schon was überlegt. Jetzt wird ruckelig. Immer geradeaus?
– Geradeaus, ja. * Musik * Es geht 8 km bergab,
von 1.190 m runter auf rund 680. Rasant. Und nass.
Von wegen Sonnenseite der Alpen. So schön die Abfahrt auf der stillgelegten Bahntrasse
durchs Dösental auch ist, wir sind klatschnass und
brauchen dringend einen Unterstand. Schlechte Laune? Keine Spur. Kärnten steht in 1. Linie für? Das Essen, die Kultur, die Architektur
hat einen südlichen Flair. Wir sind halt einfach entspannt. Wir sind die Sonnenseite
in Österreich. Jaja, deswegen stehen wir auch
gerade unterm Dach. Annas Optimismus scheint zu helfen,
der Regen lässt allmählich nach. Hier verläuft der Alpe Adria Radweg zunächst auf einem Teilstück
des Glocknerradweges. Jetzt sind wir bei der Möll.
– Das ist die Möll?
– Genau. Wo kommt die her, wo fließt die hin? Okay, können wir ja
noch mal nachschlagen. Nein, die Möll
entspringt beim Großglockner. Ja.
– Und geht durchs ganze Mölltal. Von Anna weiß ich, dass die Möll zu den saubersten
Flüssen in Österreich zählt. Okay, der Regen
hat seine Spuren hinterlassen, aber ich genieße die Tour. V.a. die Vielfalt
und die Abwechslung. * Musik * 1,5 h später kommen wir
in Spittal an der Drau an. Es ist
das "urbane Zentrum" in Oberkärnten. Man sieht viele Fahrer,
die wie wir auf dem Alpe Adria Radweg
unterwegs sind. Viele machen in der lebendigen
Kleinstadt einen Zwischenstopp oder übernachten hier. Auf den 1. Blick ganz hübsch. Der ganze Stolz von Spittal
an der Drau ist das Schloss Porcia. Im Stil eines italienischen Palazzos
wurde es im 16. Jh. erbaut. Es soll eines
der schönsten Renaissancebauten nördlich der Alpen sein. Anna will mir unbedingt
den Millstätter See zeigen, nicht mal 10 km von hier. Die Straße durch die Lieserschlucht ist für Radfahrer
allerdings ziemlich gefährlich. Kärnten ist Seeland. 200 Badeseen gibts hier. Mit 141 m ist der Millstätter See
der Tiefste. Weil Kärnten an der südlichen Seite
der Alpen liegt, wird das Wasser hier im Sommer
besonders warm. Ah, ein Segelboot.
– Mhm. Das ist super, oder? Sind einige unterwegs auf dem See?
– Ja, schon. Anna arbeitet hier am See
und sie kennt die lauschigen Plätze. Das Café auf der Feuerinsel, ihr
Lieblingsort für einen Sundowner. Anna, vielen Dank.
– Prost. Ich sag danke. Es war eine Superreise. So viel kann ich jetzt schon sagen: Der Abstecher an den Millstätter See
hat sich gelohnt. Und für morgen früh hat Anna
sogar eine Überraschung für mich. * Musik * Der nächste Morgen. Ein stiller Zauber
liegt über dem See. * Musik * Das ist die Zeit, die er
am meisten liebt: Gottlieb Strobl. Sein ganzes Leben hat er in
Millstatt am Ufer des Sees verbracht. Gottlieb ist gelernter Bootsbauer. Mit ihm sind wir zu einer
"Buchtenwanderung" verabredet. 2-mal in der Woche nimmt Gottlieb Gäste mit
zu dem stillen Seeerlebnis. Das Boot, in dem wir sitzen,
hat Gottlieb selbst gebaut. Es ist älter als 50 Jahre. Außer uns ist niemand unterwegs. Sagen wir, so gut wie niemand. Das Wasser des Millstätter Sees
ist übrigens so sauber, dass man es trinken kann. Gottlieb will uns
das unverbaute Südufer zeigen. Das unterscheidet
den Millstätter See von den anderen
großen Kärntner Seen. Es gibt noch ein Ufer
mit unberührter Natur. Zwischendurch
braucht man einfach nur Schauen. Wenn ich mit den Gästen
die Runde mache, den Leuten irgendwie, wenn einem
das gelingt, dass Stille wird. Dass man sagt,
einfach riechen, hören, schauen. Man merkt sofort, dass Gottlieb
den See und seine Natur liebt. Ein wirklich lauschiges,
sicher auch romantisches Plätzchen. Welche Erinnerungen
hast du an diese Bucht? Das ist eine
dieser kuscheligen Ecken. Wir haben als junge Burschen, wo man halt
diese "Sturm und Drang"-Zeiten… Wir erleben das halt alles. Man ist vom Ort drüben am Südufer einfach pauschal
in die Liebesinsel gefahren. Wir rudern zurück
auf die andere Seite nach Millstatt. Besser gesagt, Anna rudert. Und ich lasse die Seele baumeln. Die arme Anna. Es geht nicht um Adrenalin,
sondern Genuss. Richtig, deswegen lasse ich mich ja
über den See rudern. Es tut mir leid. Es gibt kein Zurück. Sie wollte es so. Von der Seeseite
ist der Blick auf Millstatt und die herrschaftlichen Villen
aus der Gründerzeit besonders schön. In der 2. Hälfte des 19. Jh. hat der österreichische Adel
den See für sich entdeckt. Bis heute prägen die Villen
das Ortsbild von Millstatt. Ich mag,
dass es hier so ruhig zugeht. Ah, wie schön.
– Super, gell? Wunderschön. Aber wir müssen weiter. Diese Skulptur stellt übrigens
den Herzog Domitian dar, der nach seiner Bekehrung
zum christlichen Glauben 1.000 heidnische Götzenstatuen
in den See hat werfen lassen. Millstatt steht demnach
für "mille statuae", "Tausend Statuen", die der Legende
nach auf dem Grund des Sees liegen. Wir sind an Tag 4 unserer Radtour. Vom Millstätter See fahren wir
über Fresach zurück an die Drau. Wir folgen dem Fluss
bis nach Villach und biegen rechts ab ins Gailtal. Tagesziel ist Tarvis, die 1. Stadt
hinter der italienischen Grenze. 80 km und diverse kleinere Anstiege
liegen vor uns. Die ist ganz schön fix unterwegs. Wir haben uns jetzt
eine Pause verdient.
– Au ja. Ich zeig dir mal,
wo ich aufgewachsen bin, okay? Sehr gerne.
– Einfach folgen. Wenn die Pause auch noch Kaffee
und Kuchen hätte, wärs ganz schön. Das Zentrum.
– Das Zentrum Kärntens. Genau. Anna-hausen ist hier.
– Genau, Anna-hausen. Da bin ich
in die Volksschule gegangen. Da bin ich daheim.
– Schön. Vor der Linde. (klingelt) Ein Kärntner Bauernhaus
wie aus dem Bilderbuch. Ich schau mal kurz, wo die Oma ist. Oma? Ja, hallo Oma. Hier riechts lecker. Schau, das ist die Oma. Es riecht lecker, Hallo.
– Hallo. (Anna) Das ist der Marco. Seids ihr mit…
– Wir sind mit nem Filmteam hier. Werd ich aufgenommen?
– Ja sicher, Oma. Oma Aloisia
ist ein Herz von einer Oma, und sie erzählt mir,
wie sie auf diesen Hof gekommen ist. Ich war nach der Hauptschule, hab
ich ein Pflichtjahr machen müssen. Da bin ich drauf beurteilt worden.
– Hier rein? (Anna) Als Magd.
– Als Magd. Der Opa ist von da gewesen.
– Ach so. Ach, der Opa war hier der Chef
und Sie waren die Magd? Dann hat sich der Opa in die Magd
und die Magd in den Opa verliebt. So war die Geschichte.
– Super. Mit Ihren Mitte 60,
Sie sehen immer noch toll aus. (lacht laut) Sagt er Mitte 60. Bald 90.
– Toll sehen Sie aus. Fast könnte man meinen, das Leben auf dem Land
würde jung halten. Annas Vater hat im Garten
eine typische Kärntner Jause für uns vorbereitet. Mit Produkten aus der Region. Zwar kein Kuchen, aber das hier sieht
mindestens genauso köstlich aus. Wir haben jetzt da ein Speck,
ein Würschtl und eben noch Käse. Annas Familie
ist wirklich sehr gastfreundlich. Ich erfahre,
dass sie 3 Geschwister hat. Alle Kinder
kommen jeden Sonntag auf den Hof zum gemeinsamen Essen
mit der Familie. * Musik * (Anna) Marco?
– Ja? Was machst du denn?
– Ich genieße
den schönsten Platz auf dem Hof. Wir müssen los. Ab gehts.
– Wir müssen los? Bist du bereit?
– Ich bin immer bereit. Ich habe noch eine Kleinigkeit
für dich. Wir verlassen ja jetzt
die Region Millstätter See. Ich würde dir gerne
noch ein Andenken geben. Für den Rucksack?
– Für den Rucksack, ja. Was ist das?
– Das ist ein Granatstein. Den findet man bei uns
auf der Millstätter Alm. Ein "Granatstein"?
– Genau. Das ist quasi das Zeichen
von unserer Destination. Der soll Kraft geben und Mut
und ein Liebesleben. Dann wirst du ganz schöne
Kärntner Stunden in Köln erleben. Oder sonst wo im Westen.
Wir packen es in den Rucksack. Vielleicht gewinnen Sie den
am Ende der Sendung. Vielen Dank, Anna.
Wir müssen los? Ja, wir fahren jetzt. Sind wir startklar?
– Machen wir es. Los gehts. Tschüs Oma.
– Ciao Oma, tschüs. Alles Gute, arrivederci.
(Anna) Bis bald. Jetzt haben wir heute
ordentlich getrödelt und noch nicht
viele Kilometer gemacht. Wir fahren zurück ins Drautal, wo wir wieder auf unsere
eigentliche Route stoßen. Der Millstätter See
war ein Abstecher. Auch wenn der Alpe Adria Radweg zum größten Teil auf ruhigen
Sträßchen und Wegen verläuft, manchmal gehts für ein paar
Kilometer über eine Bundesstraße. Ach so, die Fähre.
– Da sind wir
jetzt bei der Draufähre. Wir fahren jetzt
von Lansach nach Feffernitz. Das ist die Drau?
– Genau, das ist die Drau. Hallo Herr Kapitän.
(Mann) Herzlich willkommen. Wollen Sie rüber?
– Ja, gerne. Wie lange dauert unsere Überfahrt?
– 2 min. (Mann) So, Abfahrt. Sehr gut.
(Anna) Los gehts. (Mann) Es geht auf die andere Seite. Das ist
ne ganz traditionelle Fähre, oder? Ganz ne normale Rollfähre,
funktioniert nur mit der Strömung. Hängt am Seil. Durch die Schrägstellung des Bootes
drückt die Strömung das Boot weiter. Alles was der Kapitän machen muss,
ist das Ruder halten. Ja, das ist meine Arbeit. Früher wurden hier Pendler,
Baumaterialien und ganze Fuhrwerke transportiert. Das war früher das normale Arbeiten. Das ging ja ratzibatzi. Vielen Dank.
(Mann) Gerne. So, bitteschön, wir sind da.
(Anna) Vielen Dank. Danke schön. Tschüs.
– Bitte,
gute Fahrt. Bis zum nächsten Mal. Ciao. (Anna) Hallo.
(Mann) Hallo. Dürfen wir uns kurz hinsetzen?
(Frau) Ja, klar. Wir haben eine Superüberfahrt gehabt
von Lanzer nach Feffernitz. Treffen wir jetzt Leidens-
oder Freudensgenossen? Freudensgenossen.
– Und ein bisschen Leiden. Was leidet ihr denn als Erstes? Eigentlich nur der Hintern. Wie viele Tage,
wie viele Kilometer habt ihr schon? Wir sind den 3. Tag unterwegs. Und wir haben insgesamt 250 km
jetzt. Von wo kommt ihr?
– Von Salzburg. Dann macht ihr unsere Tour.
Wollt ihr auch nach Grado? Ja.
– Ist ja verrückt. Und wir wollen danach weiter
nach Padua. Was ist das Tollste
an so ner Radtour für euch? Wenn man den Tag auf sich zukommen
lässt, es ist nichts geplant. Man weiß nicht,
wo man schläft am Abend. Habt ihr das vorgebucht?
– Nein. – Gar nix. Wer ist von euch wofür zuständig? Ich bin für die Tour zuständig
und er fürs Material. (Anna) Ich finde,
das ist ne Superaufteilung. Wie ist das bei uns? Du kannst quasi alles
und ich nichts. Und weil Anna demzufolge
für die Strecke zuständig ist, kann ich ganz entspannt fahren. Für die nächsten Kilometer
bis Villach führt der Radweg immer an der Drau entlang. Gemütlich und ohne Steigungen. Und es gibt
immer wieder Überraschungen. Steht da einfach so ein riesengroßes
Herz am Flussufer. Wer verliebt ist,
muss hier herkommen. Villach lassen wir links liegen,
wir sind n bisschen spät dran. Stattdessen geht es direkt weiter
ins Gailtal in Oberkärnten. Italien ist jetzt schon
ziemlich nah. * Musik * Der Radweg ist sensationell.
– Ich find den wunderschön, echt. Von Villach raus,
das ist ne Supersache. Dann gleich direkt zur Gail und
dann wieder zum Alpe Adria Radweg. Auch hier gehts wieder direkt
an einem Fluss entlang, der Gail. Ein guter Ort
für einen Zwischenstopp. Das hat was
von einem natürlichen Kneippbecken. Riesensteine. Kleine Steine. Eiskaltes Wasser. Boah. It's time to say good-bye. Ja, du musst wieder zurück,
und ich muss weiter. Als Erinnerung kriegst du
ne Trinkflasche mit.
– Schön. Das ist eine Pleamle-Trinkflasche. Weißt du, was Pleamle heißt?
– Nee. Pleamle steht für Blümchen,
typisch kärntnerisch. Das findet man auf unserer Tracht. Wenn du mal zu uns
nach Kärnten kommst, dann wirst du die ganzen Leute
in ner Pleamle-Tracht sehen. Herzlichen Dank fürs Pleamle. Werde ich in Ehren halten, und am Ende der Tour
kommts in den Rucksack.
– Super. Fast ein bisschen wehmütig radeln wir gemeinsam die letzten
Kilometer bis zur Grenze. Ich sehe was, was du nicht siehst. Italia!
– Ja, Italia! Super wars mit dir, Marco.
– Es war auch ganz schön mit dir. Wir müssen uns
jetzt verabschieden, ne? Du bleibst im schönen Kärnten,
und ich radle nach Italien. Anna, es hat mich gefreut,
dich kennenzulernen. Grüß die Oma.
– Werd ich machen. Iss 2 Stückchen Kuchen für mich mit. Ja, ab jetzt werd ich immer an dich
denken, wenn ich Kuchen esse. Wie verabschiedet man sich
auf kärntnerisch? Grüß di, ciao. Eigentlich schon sehr italienisch,
die sagen ciao, tschüs. Dann sag ich an dieser Stelle.
– Pfiati. Arrivederci.
– Arrivederci et a presto. A presto heißt bis bald?
– Bis bald. Tschüs, danke.
– Tschüssi, ciao. Darauf gehts.
– Ja. Das 1. Mal in meinem Leben passiere
ich eine Grenze mit dem Rad. Und ich bin stolz,
dass ich schon rund 270 km mit den eigene Oberschenkeln
bis hierher gestrampelt bin. (Mann) Hallo. Ich hab Freunde gefunden. Das ist der beste Beweis,
wir sind auf der Alpe Adria. Arrivederci. Kaum bin ich in Italien angekommen,
schon ist das Wetter schlecht. Der Ort, wo ich heute übernachte,
heißt Tarvis. Wir sind im Dreiländereck von
Österreich, Italien und Slowenien. Hier werde ich heute gut schlafen. Hoffentlich wird morgen
das Wetter besser. So, ich bin bereit für den nächsten
Tag auf dem Alpe Adria Radweg. Ich hab sensationell geschlafen
meine 1. Nacht in Italien. Und spätestens zum Frühstück
merkt man, dass man in Italien ist. Weniger Schinken und Brot, dafür
mehr Croissant und Cappucchini. Ich freu mich auf diesen Tag. Heute bin ich übrigens
alleine unterwegs. Und das Wetter ist okay. Die 5. Etappe wird die längste. Gute 100 km liegen vor mir,
dafür so gut wie keine Steigung. Von Tarvis gehts durch das Kanaltal
über Chiusaforte nach Venzone. Ab da lasse ich die Berge hinter mir und fahre durch das Friaul
bis nach Udine. * Musik * Ab meinem heutigen Startpunkt Tarvis
beginnt das Kanaltal. Eine Strecke, die spektakulär sein
soll, auf die ich mich total freue. Hier sind viele Radfahrer unterwegs, und sie alle werden
von diesem Zähltor hier gezählt. Die Julischen Alpen rund um Tarvis
sind eher unbekannt. Ich finde diese alpine Landschaft hier im äußersten Nordosten Italiens
wunderschön. Der Radweg durchs Kanaltal
verläuft über fast 50 km auf einer stillgelegten Bahntrasse,
immer am Fluss Fella entlang. Aber vorher will ich noch
was Leckeres essen, schließlich bin ich in Italien. Ich glaube, ich bin im Paradies. Im Delikatessenparadies. Sollte ich es bisher
noch nicht erwähnt haben, diese Radtour
ist auch eine Genusstour. Mit all den lokalen Spezialitäten,
die es am Wegesrand gibt. Uno panini con formaggio grande
per favore. Formaggio grande? Grande panini con formaggio. Was auch immer ich bestellt habe
in meinem hanebüchen Italienisch, es ist groß. So Marco, prego.
– Grazie. Darf ich gleich probieren?
– Ja, freilich. * Musik * Das Kanaltal in der Region
Friaul-Julisch Venetien ist ein enges Tal, in dem an manchen
Stellen Autobahn und Radweg nur knapp nebeneinander passen. Dieser Radweg
wurde mit Mitteln der EU angelegt. Auch, um die abgelegene Gegend
wirtschaftlich zu stärken. Ach nee, so. So. Beim Schieben merkt man erst mal, wie schwer ein E-Bike im Vergleich
zu einem normalen Fahrrad ist. Boah. * Musik * Boah. (lacht) Die Strecke führt durch 22 Tunnel. Ein ganz besonderes Fahrraderlebnis. Es hat was von Kneippkur. Kalt, warm, kalt, warm. Tunnel, Sonne, Tunnel, Sonne. Neben der Abwechslung aber sind
die Ausblicke auf die Landschaft das Spektakuläre an der Strecke
durch das Kanaltal. * Musik * Für mich ist dieser Abschnitt
des Alpe Adria Radwegs echt der Schönste. Auch die Brücken
der ehemaligen Bahntrasse mussten aufwendig restauriert
und gesichert werden. Wie diese kurz vor Chiusaforte. Spätestens jetzt
kann ich nachvollziehen, dass 2015 der Alpe Adria Radweg zur besten Radroute des Jahres
ausgezeichnet wurde. Willkommen in der Kategorie: die
schönsten Fahrradbrücken der Welt. Das ist echt irre. Auf dem gesamten Teilabschnitt durch
das Kanaltal geht es stetig bergab. Und das Ziel, mit dem Radweg
die Region wiederzubeleben, hat funktioniert. Der ehemalige Bahnhof
von Chiusaforte ist heute ein beliebter Zwischenstopp
für Radfahrer. Jeder, der hier vorbeikommt,
macht in dem Café eine Pause. Grazie mile. Äh, Parmesan?
– Si.
– Grazie. Das kennen Sie bestimmt auch. So ne Pasta mit Tomatensoße schmeckt
in Italien einfach am allerbesten. Mh. Ich sags immer wieder, der Alpe Adria Radweg
kann nicht nur was am Radweg. Sondern auch daneben:
Schmeckt nämlich auch sehr lecker. Der Bahnhof
scheint auch für die Einheimischen ein beliebter Treffpunkt zu sein. Man ist hier voll auf die
vorbeikommenden Fahrradfahrer eingestellt, die sich
nicht nur erfrischen können. Sollte irgendwas am Fahrrad sein: Es gibt Werkzeug und für alle Fälle
sogar einen Mechaniker, der helfen kann. Und natürlich
wurde auch an die E-Biker gedacht, die ihre Akkus aufladen können. Wenn Sie das T-Shirt haben,
wird jeder neidisch sein auf Sie, weil das
das Alpe-Adria-Radweg-T-Shirt ist. Das packe ich mit in den Rucksack. Willkommen in Chiusaforte. Als hätten wir gewusst,
dass wir uns noch mal sehen. Hallo Robert, hallo Gabi.
– Servus. Wir war dieses Stückchen für euch?
– Super. Einfach grandios,
das Highlight des Tages. Die vielen Tunnel,
und wir mussten ja dann von dem… Wie heißt der Ort da? Ponto Bello? Da geht es dann so rauf,
und da mussten wir die Treppen rauf und Fahrräder schieben. Man muss es an der Seite schieben. Es dauert ne Weile,
bis man raus hatte, wie rum es geht. Ihr habt wirklich
richtig Gepäck dabei. Habt ihr mal angehalten,
so n Ausblick genossen? Klar, auch Fotos gemacht. Und heute Nacht haben wir gezeltet
in Villach. Schön, euch wiedergetroffen
zu haben. Wir sehen uns.
– Wir sehen uns. Gabi, Robert, tschüs.
– Ciao. Lasst es euch gut gehen. Tschüs. An dem Radlerbahnhof von Chiusaforte
kann man schnell die Zeit vergessen. Ich habe nicht mal die Hälfte
der heutigen Strecke geschafft und muss mich etwas sputen. Langsam wird das Kanaltal breiter. Kurz vor Venzone
passiere ich den Tagliamento. Es ist der letzte Wildfluss
der Alpen und das größte naturnahe Flusssystem
Europas. Ohne Wehre und Betonbegradigungen fließt er über 100 km frei
durch die Landschaft des Friaul. An einigen Stellen
kann er bis zu 2 km breit werden. Und diese Farbe: unfassbar. * Musik * Das ist Venzone. Sieht aus wie ein mittelalterliches
Dorf aus dem 14. Jh. In Wirklichkeit
ist Venzone aber nagelneu. Es wurde 1976 durch ein Erdbeben
komplett zerstört. Das 1. Beben war im Mai. Nach einem schweren Nachbeben
im September lag alles in Schutt und Asche. Diese Kirchenruine erinnert an
das schlimme Schicksal von Venzone. Auf dem Marktplatz des
3.000-Seelen-Ortes treffe ich Aldo. Er erzählt mir
die Geschichte des Erdbebens und der betroffenen Menschen. Aldo selbst war damals ein Kind und
hat das Erdbeben zu Hause miterlebt. Venzone war komplett zerstört,
nach dem 2. Erdbeben im September. In nur einer Minute verlierst du bei einem Beben von 6,3
auf der Richterskala alles? Es ist wie ein kleiner Tod. Du siehst, wie die Häuser wackeln,
und die Hauswände einbrechen. Du kannst dich nicht bewegen. Während dieser einen Minute
bist du wie gelähmt. Im Erdbebenmuseum von Venzone
wird in dieser Animation gezeigt, wie der Dom von dem Beben erfasst
und fast komplett zerstört wurde. Nach dem 2. Beben
lag kein Stein mehr auf dem anderen. Viele Tote waren zu beklagen. Die Bevölkerung, die sich gerade
von dem Beben im Mai erholt hatte, stand im September
endgültig vor dem Nichts. Ein Bürgerkomitee entschied,
dass Venzone nach dem Wiederaufbau so aussehen sollte wie vorher. Alle Steine wurden zusammengetragen, mit Nummern versehen und so wieder
an ihren Originalplatz eingesetzt. Aber wie wurde das gemacht? So viele Steine wieder genau
an ihren richtigen Platz zu setzen? Ich stelle mir vor, wenn ein Stein
an der falschen Stelle landet, funktioniert es nicht. Das kann nicht passieren. Wir hatten nahezu 100.000 Fotos
von Venzone vor dem Erdbeben. Dann habt ihr also die Fotos
mit den Steinen verglichen? Genau, die Bilder zeigen, welcher
Stein vor dem Erdbeben wo war. Aber ist ja wie ein Puzzle.
– Ja, es ist ein Puzzle. Ein großes Puzzle. Aldos Leben
ist von der Katastrophe geprägt, er wurde Erdbeben-Ingenieur. Er erklärt mir, dass große Teile des Doms
wieder rekonstruiert werden konnten. In diesem Fall kannst du sehen,
was nach dem 2. Erdbeben noch stand. Nur dieser Teil hier,
alles andere war zerstört. Heute ist der gotische Dom
ein Symbol für den Wiederaufbau und die schier unglaubliche Leistung
der Bürger von Venzone. In dieser Form, erzählt mir Aldo,
ist all das einzigartig. Auch beim Wiederaufbau des Doms wollte man die Spuren des Erdbebens
für immer sichtbar lassen. Es war eine bewusste Entscheidung, die zerstörten Heiligenfiguren
nicht zu restaurieren. Auch die Freskenstücke
wurden nicht wieder ergänzt. * Musik * Was für eine Geschichte. Ich bin froh,
dass Aldo sie mir erzählt hat. Den in jeder Hinsicht
so anspruchsvollen Wiederaufbau von Venzone werde ich so schnell
nicht vergessen. Und dann hat mir Aldo
noch einen Tipp gegeben. Hallo, es riecht so lecker hier. Wir sind gerade dabei,
die Hörnchen fürs Eis zu backen. Ah, die machen Sie selber?
– Ja. Dann nehme ich auf jeden Fall
ein Hörnchen. Die werden in der Backstube nebenan
ständig frisch gebacken. Wie bei einer Waffel kommt der Teig
in ein spezielles, sagen wir, "Hörncheneisen"
und wird noch warm aufgerollt. Superidee. Auf dem Dorfplatz genieße ich
mein 1. italienisches Eis, was verdammt gut ist. Und lasse die Erdbebengeschichte
noch ein bisschen sacken. Direkt hinter Venzone
fängt die friulanische Tiefebene an. Ich verabschiede mich endgültig von der österreichischen
und italienischen Bergwelt. Landschaft und Vegetation
werden immer mediterraner. Und immer wärmer wirds auch. * Musik * Speziell in Italien ist der Alpe Adria Radweg
sehr gut ausgeschildert. Man kann sich
überhaupt nicht verfahren. * Musik * Man kommt auf so ner Tour nach 5,
6 Tagen auch in diesen Zustand… Der freundlichen: Huch,
das war ein Falter in meinem Auge. …der freundlichen Beklopptheit. Das war ein Baum in meinem Auge. Ne Pfütze. Komm, die nehmen wir mit. Ne Pfütze! Die nächsten 45 km mache ich Strecke
ohne Zwischenstopp. Bis ich in Udine, meinem heutigen
Etappenziel, ankomme. Der goldene Engel ist das Wahrzeichen
der Hauptstadt des Friaul. Eine italienische Großstadt
mit knapp 100.000 Einwohnern. Und auf Radfahrer wird hier
durchaus Rücksicht genommen. Die Radwege
sind hier und da ein bisschen eng, aber ich hatte mehr italienisches
Chaos mit diesem Gehupe erwartet. Das Schöne ist, in Udine
gibt es keine Diskussionen, du bist auf der falschen Seite
mit deinem Fahrrad. Nein, man hat auf einer Seite
einen Radweg, der ist extra breit, und die Radfahrer
fahren sich entgegen. Es geht in beide Richtungen. Und Udine
ist eine richtige Architekturperle. Die Piazza della Libertà gilt
als der schönste Platz Norditaliens. Die Stadt stand fast 400 Jahre lang
unter venezianischer Herrschaft. Die Einflüsse sieht man. Und man kann hier
richtig das Dolce Vita genießen. In den vielen netten Cafés
und typische Osterien trifft man sich am späten Nachmittag
auf ein Gläschen Weißwein. Ich habe mich
mit Robert Schuhmann verabredet. Robert ist viel als Reiseführer
im Friaul unterwegs. Gerade kommt er von einer Tour
auf dem Alpe Adria Radweg, die er für eine Gruppe
organisiert hat. Was macht für dich Udine
zu einer tollen Stadt? Das ist meine Geburtsstadt. Es ist eine schöne Stadt,
klein, aber fein. Es hat sich in den letzten
Jahrzehnten auch renoviert, ist z.T. offener geworden. Offener im Sinne von? Z.B. für die vielen Gäste,
die mit Fahrrad unterwegs sind. Ist das so?
Mag man die Radler in Udine? Ja, freilich. Man sieht sie
während der Sommermonate so sehr. So viele halten hier an. Robert wird mich morgen
ein Stück auf der Strecke begleiten. Ja, dann Prost.
– Ich freu mich.
– Zum Wohl. Was erwartet uns denn? Vieles. Z.B. eine oder 2
UNESCO-Kulturstätten. Schön, dann werden wir morgen
einen spannenden Tag haben.
– Gut. Bon giorno. Mit dem E-Bike durch die Alpen
ist wirklich leicht. Nicht kinderleicht, aber leicht. V.a. wenn man mit dem E-Bike
unterwegs ist. Auf eins sollte man nur achten: Abends die Batterie gut aufladen. Funktioniert aber, kann man anschließen
in fast jeder Unterkunft. Ich glaube nicht,
dass sich irgendjemand querstellt. Grazie. Boah, heiß. Tag 6 und damit
der letzte auf unserer Tour. Wir starten in Udine, dann folgen interessante Städte
Schlag auf Schlag. Erst Palmanova, dann Aquileia
und schließlich unser Ziel: Grado an der Adria. Mit 60 km
eine kurze und einfache Etappe. Robert
ist ganz schön sportlich unterwegs. Und das
mit nem ganz normalen Rad. * Musik * Ich habs schon leichter als du
mit meinem E-Bike.
– Hm. Hast du gerade "Hm" gemacht? (lacht) Bisher hab ich kein E-Bike gehabt. Ich bin immer mit den normalen, menschenbetriebenen
zurechtgekommen. Soweit. Aber vielleicht in 30 Jahren
bekomme ich ein E-Bike, ein Pedelec. Du hast das noch nie ausprobiert?
– Nein. Ich hab auch immer drüber gelächelt. Und dann?
– Jetzt finde ich es ganz gut. Man kommt einfach an Stellen,
wo man sonst mit dem Fahrrad aufgeben würde,
wenn man schon k. o. ist. Hinter Udine geht es
an Weinbergen und Weingütern vorbei. Das Friaul gilt als
das Weißweinzentrum Italiens. Mildes Mittelmeerklima und
Kaltluftströmungen aus den Alpen, beste Zutaten für einen Superwein. Er soll frisch
und betont fruchtig sein. * Musik * Nach einer guten halben Stunde
kommen wir nach Percoto. Hier will mir Robert
eine Destillerie zeigen, aus der einer der besten Grappas
Italiens kommt. Und der ist schon länger
kein billiger Bauernschnaps mehr, sondern eine Edelspirituose. Antonella erzählt uns etwas
über die Herstellung. Unsere Familie stellt Grappa
aus Trester nach alter Tradition in der 5. Generation her. Wir haben die Grappaherstellung
revolutioniert, indem wir den 1. sortenreinen
Grappa erfunden haben. Was macht Ihren Grappa besser
als den, den wir zu Hause haben? Wir verwenden bei der Destillation
das "diskontinuierliche Verfahren". Die Familie kümmert sich persönlich
um den Herstellungsprozess. Dafür ist Antonellas Schwester
Cristina zuständig. Das Handwerk hat sie
von ihrem Vater Benito erlernt. Die Dampfdestillation
ist sehr aufwendig und wird v.a.
in kleinen Brennereien angewandt. Hier wird ausschließlich Trester,
die Grappa-Grundlage, von einheimischen Rebsorten
aus dem Friaul verarbeitet. Welchen würden Sie uns
für den Rucksack empfehlen? Diesen hier.
Das ist ein Chardonnay Barrique. (Robert) Schaut gut aus. Das ist 1 Jahr gereift?
– Ja, da steht 12, 2. 12 Monate. Also, 12 Monate gereift,
in 5 Abenden ausgetrunken. Kommt in den Rucksack.
(Robert) Gleich in den Rucksack. Die Route verläuft auch heute die meiste Zeit auf ruhigen
Nebenstraßen und Feldwegen. Robert hatte mir viel
überraschende Kultur versprochen und die lässt auch nicht lange
auf sich warten. Wir kommen nach Palmanova,
eine venezianische Festungsstadt aus dem späten 16. Jh. Das ist die alte Stadtmauer.
– Das ist die alte Stadtmauer, ja. Aber die geht ja gar nicht durch.
– Das ist rings herum. Und es ist nicht kontinuierlich.
– Kein Stück? Nein, eben,
es ist immer zickzackartig. Und dass es ein Stern ist, das
begreift man eher aus dem Himmel. Erst von oben erkennt man
die erstaunliche Symmetrie. Es ist praktisch egal, von welcher
Seite aus man ins Zentrum fährt. Ah, und hier müssen wir jetzt
für Grün drücken? Ja, du unten auf das gelbe Zeug da. Hier müssen wir drücken,
weil immer nur einer durch kann? Vorsicht von hinten. Warum fährt der?
– Weil er Grün hat als Auto. Und wir haben Rot als Fußgänger. Okay. Cool, jetzt dürfen wir.
– Ja. Das ist ja schön gemacht. Und hier vorn, das ist
wahrscheinlich das Wahrzeichen? Hier vorne kommt der große Platz,
der 6-eckige. Weil in Palmanova
sich alles um die Zahl 3 richtet. Ein 9-zackiger Stern
mit 6-eckigem Platz. 3 Straßenringe,
3 Eingangstore, alles. Und in der Mitte dieses Platzes
steht Mario. Wer ist Mario? Mario ist dieser hohe Mast
in der Mitte des Platzes. Die geben dem Mast
einen Jungennamen?
– Ja. Hallo Mario, ciao. Die Sternenform
ist wirklich einzigartig. Palmanova als Ganzes
ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Strassoldo. Ja, wir kommen nach Strassoldo,
eine mittelalterliche Ansiedlung mit ganz viel Flair. Gut, dass ich Robert dabei habe. Der gesagt hat, hier müssen wir hin. Die Kaarstquellen sind typisch
für die Region Friaul. Es wird immer geschichtsträchtiger. Ab jetzt geht der Radweg entlang
der antiken römischen Verkehrsstraße Via Julia Augusta. Auf ihr kommen wir nach Aquileia. Die Stadt wurde 181 v. Chr.
von den Römern gegründet. Bedeutende Überreste, wie das
Forum Romanum, sind erhalten. Aquileia war im Römischen Reich ein
wichtiges wirtschaftliches Zentrum. Für Robert ist dieser Ort
ein Highlight der Region. Aquileia ist der Ort, von wo aus die
Missionierung jenseits der Alpen, die christliche Missionierung
basiert ist. Das ist eine der wichtigsten Städte
im Römischen Reich. Aquileia war schon im 2. Jh. v. Chr.
gegründet und gilt als 2. Rom. Okay, aber es ist
gar nicht groß gewesen, oder? Doch, davon
haben wir keine Ahnung mehr, aber die Anwohnerzahl soll zwischen
100.000 und 200.000 gewesen sein. Die Basilika wurde so,
wie man sie heute sieht, um das Jahr 1.000 gebaut. Schon allein der lichte Raum,
die byzantinischen Fresken und schlicht die Höhe der Basilika
faszinieren mich. Doch ganz besonders
ist das riesengroße Bodenmosaik. Es gilt als das bedeutendste
und größte frühchristliche Mosaik in Europa und wurde erst
Anfang des 20. Jhs. entdeckt. Es stammt aus dem 4. Jh.
und gehörte zu einer Kirche, die von den Hunnen zerstört wurde. Bei dem Neubau der Basilika
im Mittelalter hatte man einfach einen 2. Boden
über das Mosaik gezogen. Wen wunderts, dass auch Aquileia auf der Liste
der UNESCO-Weltkulturstätten steht? Robert, dann danke ich dir sehr. Ich mache jetzt alleine weiter,
radle Richtung Grado. Ich danke dir sehr,
dass du mich begleitet hast. Ich bedanke mich, das war eine Ehre,
eine Freude bei dir zu sein. Schön, dann komm gut zurück.
– Ja, danke. Und du kommst gut weiter nach Grado.
– Immer schön bis ans Meer. Komm gut nach Hause.
– Du auch. Tschüs.
– Ciao. Die letzten 10 km
fahre ich also alleine, um diese großartige Reise
noch mal auf mich wirken zu lassen. Von oben sieht mein Ziel
grandios aus. Die Lagunenstadt Grado. Und dahin kommt man nur
über diese 5 km lange Brücke. Was für eine Zielgerade. * Musik * Rechts das Meer, links das Meer,
dort vorn das Ziel. Ich bin sehr happy. Ja, das kann man auch sein, wenn man einmal von den Alpen
an die Adria geradelt ist. Und dank des E-Bikes
bin ich noch nicht mal so fertig, wie ich befürchtet hatte. * Musik * Grado mit seinen Wasserstraßen ist ein guter Ort,
um den Rucksack auszupacken. Den Sie, wie immer, gewinnen können, wenn Sie uns schreiben,
was drin ist. Ich bin in Grado, ich bin am Meer,
und es ist ein tolles Gefühl. 410 km Alpe Adria Radweg, und ich hab den ein oder anderen
Kilometer mehr gedreht. Natürlich
zu den Mozartkugeln in Salzburg, ich hab mit Annas Familie
die schöne Jause genießen dürfen. Ich erinnere mich sehr gern
an die Eiscreme in Venzone. Das hier alles hab ich für Sie
eingesammelt auf diesen 410 km. Das alles kommt in den Rucksack,
den können Sie jetzt gewinnen. Wenn Sie sich bei uns melden. Ich freue mich, dass ich hier bin,
Sie radeln hoffentlich nach. Genießen Sie jeden einzelnen
Kilometer auf diesem Radweg. Fahren Sie nicht schnell,
sondern eher ruhig. Gucken Sie rechts, gucken Sie links. Wunderschöne Grüße
vom Meer aus Italien. Copyright WDR 2019

36 Comments on "Mit dem E-Bike durch die Alpen – von Salzburg bis zur Adria | WDR Reisen"


  1. WDR Reisen

    Wenn euch die Streckenführung inklusive Kilometer- und Höhenangaben interessiert, findet ihr hier ausführliche Informationen: https://www1.wdr.de/fernsehen/wunderschoen/ebike-alpen-allgemein-100.html

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  2. Furchtbar….als von Gepäck wird parallel vom Service transportiert und vorgebuchten Hotels gesprochen wurde habe ich ausgemacht. Langweiliger Massentourismus. Taschen und ein Zelt ans Rad und sich treiben lassen ist angesagt.

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  3. Echt traurig, zwei gesunde Männer im besten Alter und mit was sind sie unterwegs ? Mit EBikes… Unsere Gesellschaft wird echt immer bequemer, das tut ja schon beim Zuschauen weh.

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  4. Ich finde, es muss ganz klar Eintritt verlangt werden, weil, es kann nicht angehen, dass die armen Tiere in den Alpen einfach so gestört werden dürfen. Mindestens 270 Euro. Und ich darf das Geld verwalten, weil es meine Idee war und dann kaufe ich mit dem Geld (…) und (…) jaja, dann habt ihr denn das Theater wenn die Tiere und ich sich verteidigen und eure Tretesel angreifen, äh, Batterieesel 🙂

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  5. Ich bin 69 und brauche für eine Alpenüberquerung noch kein E-Bike. Ich bin kein E-Bike Gegner, aber für so junge gesunde Menschen sollte es auch mit etwas Training möglich sein die Alpen ohne Motor zu queren. Bei uns Zuhause sind die E-Bikes auch schon dort wo sich früher nur die Sportler hin trauten. Schade!

    Reply

  6. Hat uns noch gefehlt, mit dem "E-Moped" durch die
    Alpen! E-Mountainbike der Fluch der Alpen! Jeder Hansel kann mit Strom die
    Berge rauffahren. Nur wer selber tritt ist ein echter Mountainbiker und kein
    "Weichei" wie ich sagen würde! Noch was, wer das körperlich nicht Schaft
    ohne Motorhilfe den Berg hinauf zu kommen hat doch das flache Land um sich zu
    betätigen!

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  7. Schöner Film – Schöne Tour. Hat mir gefallen auch die Freundlichkeit der Menschen. Viele Grüße …

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  8. Sehr unterhaltsamer Bericht, schönes Sofa-Kino. Marco ist immer gut drauf. Großes Lob für den CUT !
    Seit 15 Jahren kurbel ich unplugged über die Alpen und damals war ich froh unterwegs Gleichgesinnte zu treffen…..heute bin ich froh, wenn ich den Pedelec-Massen aus dem Weg fahren kann.
    Man sollte sich etwas mehr Zeit nehmen für so eine Tour und vorher trainieren, denn wenn man aus eigener Kraft ankommt ist es ein unvergleichliches Erlebnis!
    Ich glaube den meisten Radlern geht es nur darum, sagen zu können: "Ich habe die Alpen überquert."
    Aber wie sagte schon der alte Theodore Roosevelt:
    "Die Kritiker zählen nicht, auch nicht die Menschen die mit dem Finger zeigen wenn ein Starker strauchelt, oder wenn einer Großes tut und es noch besser könnte. Die Anerkennung gebührt dem Mann der in der Arena steht."

    Reply

  9. Wir sind vor ein paar Jahren von Oberstdorf bis zum Gardasee, mit dem Bike und Zelten bepackt, gefahren (Via Claudia)es war der geilste Urlaub den ich bis jetzt erlebt habe. Wunderschön, wenn auch anstrengend weil wir keine E-Bikes hatten und komplett untrainiert losgefahren sind 😀

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  10. Eine sehr schöne Doku, die wir bereits im TV gesehen haben!
    Wir sind den Alpe Adria Radweg im letzten Sommer gefahren. Allerdings sind wir bereits in Nürnberg gestartet und über Regensburg und Passau gefahren. Und selbstverständlich nicht mit E-Bikes, sondern mit normalen Rädern. 😉 Nach12 Tagen hatten wir Grado erreicht. Wir waren vom  CAAR begeistert. Es ist ein toller Radweg. Die Videos von unserer Tour, findet man auf meinem Kanal. 🙂
    VG
    Matthias

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  11. Die Jagd ist krank und sollte man verbieten. So etwas finde ich einfach nur zum 🤮 und möchte damit sicher nicht in eine Unterhaltungssendung konfrontiert werden.

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  12. Danke für's mitnehmen! Macht weiter so. Wir sind beeindruckt. LG Frank und Jaci 😊

    Reply

  13. Sehr interessante Doku. Hatte ich mir direkt im TV angeschaut.

    Die ganze Tour wirkte am Ende doch zu sehr geschönt. Alles entspannt, leicht & locker.
    Die Realität unter Alltagsbedingungen sieht gewiss komplett anders aus.
    Mal einfach so mit dem E-Bike durch die Alpen oder wie auch ist nicht.
    Es gibt nicht immer nur Bilderbuchtage und mal kurz ein bisschen Nieselregen. Irgendwann kommen ggf. oder wahrscheinlich Sitzprobleme, Rückenprobleme, schmerzende Handgelenke.
    Irgendwann wird jedem mal die Lust vergehen. Selbst mit dem E-Bike und bei Profi- Radfahren, die ganze Länder bereisen oder umrunden!
    So entspannt wie das aussah, wurden gewiss immer nur kurze Etappen mit dem E-Bike und der Rest immer mal wieder mit dem Auto zurückgelegt!

    Leider wurde zudem überhaupt nicht auf das Pedelec an sich eingegangen, ob es in der Zeit Probleme jeglicher Art wie technische Probleme, Reifenpannen, Kette usw. gab.

    Ladezeiten, Akkureichweite, wieviel Ersatzakkus mitgeführt, wie lange und wo immer geladen wurde, gewählte Fahrstufe uvm.

    Also Hintergrundwissen allgemein.
    Das wäre für E-Bike Fans noch eine besondere Aufwertung und deutlich glaubwürdiger gewesen.

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  14. ebike – das Akku AufLaden fand ich in der Unterkunft immer peinlich … sagt Pupsi

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  15. Ist bestimmt eine tolle Tour, nur Italien habe ich nicht gut Erinnerung zum Radfahren, die Autofahrer sind sehr Rücksichtslos und die Straßen so eng. Wir waren allerdings in der Toscana.

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  16. Mit dieser schönen ReiseDoku wurde ich völlig geflasht, die Idee mit dem Fahrrad auf Reisen zu sein, lässt erst solch eine schöne Doku entehen. Herr Schreyl hat dies zu einem wunderschönen Erlebnis gemacht.

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  17. Nach zwei Wochen, ich bin wieder auch da. 🤗 🇦🇹 🇧🇪 Vidio einfach Super, danke.

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  18. Thanks for the subtitles. They are very helpful to improve German and to better understand the video.

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